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Der Markt wird reif – Cloud Computing zwischen Sicherheit, Komfort und Effizienz

Autor: André Schlüter

Das Zeitalter der Entdeckungen im Cloud Computing ist vorbei. Die Unternehmen in Deutschland sind in der Cloud-Ära angekommen, sie haben sich orientiert und ihre Präferenzen definiert. Eine Reihe von Studien, die Ende 2014, Anfang 2015 vorgelegt wurden, zeigen, dass das Ergebnis durchaus sportlich ist – für die Anbieter von Cloud-Lösungen. Denn die Unternehmen wollen sowohl den Komfort von Cloud-Services als auch die Sicherheit klassischer IT; oder anderes formuliert: die kostengünstige Flexibilität, die Amazon, Microsoft oder Google bieten, gepaart mit Privatsphäre und Rechtssicherheit. Und nur wer beide Seiten in hinreichendem Umfang bereitstellen kann, ist im Geschäft.

So sind denn auch die drei größten Hürden, die einer Einführung von Cloud-Lösungen im Wege stehen, erstens Sicherheitsbedenken, zweitens die Notwendigkeit, im Zuge von Cloud Computing neue Prozesse und Strukturen einführen zu müssen und drittens die Notwendigkeit einer eindeutigen Made-in-Germany-Orientierung: Die Rechenzentren sollen in Deutschland stehen, Punkt. Natürlich sollte auch ein deutsches Unternehmen die Rechenzentren betreiben und über deutsche Zertifizierungen oder Gütesiegel verfügen. Jeder weiß, dass die „nationale Komponente“ – bei Cloud-Services eigentlich sachfremd – nicht ohne Grund so ins Zentrum gerückt ist. In dieser Deutlichkeit wären solche Anforderungen vor der Snowden-Affäre wohl nicht formuliert worden; heute sind sie aber nicht Ausweis nationaler Engstirnigkeit, sondern von Verantwortungsbewusstsein. Sicherheit gehörte zu den wichtigen Entdeckungen in der ersten Phase des Cloud Computing.

Da die Unternehmen in Deutschland trotz aller Irritationen beim Thema Sicherheit nicht von der Cloud lassen wollen, bleiben als Möglichkeiten so genannte private oder hybride Cloud-Modelle: Entweder werden Cloud-Dienste in einem durch verschiedene Mechanismen geschützten Bereich nur für das einzelne Unternehmen bereitgestellt oder es gibt hybride IT-Serviceangebote, die dieses private Cloud-Modell in Teilbereichen mit der hoch skalierbaren Public Cloud verbinden. So kann zum Beispiel ein Unternehmen sein in der Private Cloud betriebenes CRM-System mit einem E-Mail- und Kalenderdienst sowie Microsoft Office 365 aus der Public Cloud kombinieren. Unternehmenseigenen Ansprüchen hinsichtlich Compliance und Sicherheit wird eine solche Lösung ebenso gerecht wie den hinsichtlich Skalierbarkeit und Flexibilität. Schließlich lassen sich auch diverse Cloud-Dienste auf einer übergreifenden, aber unternehmenseigenen Plattform integrieren und betreiben.

Im reinen Private-Cloud-Modell gibt es allerdings auch Bedenken, ob sich Datensicherheit, Komfort, Flexibilität und die unerlässliche Integration mit bestehenden Anwendungen mit knappen Ressourcen effizient realisieren lassen. Mittlerweile zeichnet sich in der Cloud-Computing-Landschaft bei Plattform- und Datenbank-Services ein Trend in Richtung hybrider Infrastrukturen ab.

Nicht nur die Technologien, auch Vertriebsstrukturen rund ums Cloud Computing sind gereift. Kunden wollen standardisierte Cloud-Services nicht mehr einzeln und aufwendig von unterschiedlichen Anbietern beziehen, sondern gebündelt über ihren festen IT-Serviceprovider oder Reseller. Darauf müssen sich die Systemhäuser einstellen: Sie sollten nicht nur ihre Beratungs- und Lösungskompetenz ausbauen, sondern neben Hardware und Softwarelizenzen oder individuellen Managed Services auch immer mehr standardisierte Cloud-Service-Lösungen direkt anbieten. Für Anbieter mit der Zielgruppe Mittelstand stellt sich die Frage, ob sie ihre Cloud-Services nicht über eigene Marktplätze vertreiben sollten, als Alternative zu Distributoren und Channel. Ein Marktvolumen für Cloud-Services, -Technologien, -Integration und -Beratung von rund zehn Milliarden Euro allein in Deutschland ist es schon wert, dass man sich gut positioniert.

So führen heute auch unter vertrieblichen Aspekten viele Wege zur Cloud. Auch das ist ein Zeichen für einen gereiften Markt: Die Erkundungsphase des Cloud Computing ist definitiv abgeschlossen. Die meisten Unternehmen sind heute mit Cloud Computing und dem zugrunde liegenden Geschäftsmodell vertraut und wissen, was sie wollen. Die klassische IT wird damit keineswegs obsolet – gerade in Deutschland nicht. Unternehmen können sehr genau differenzieren, welche Services sie aufgrund der benötigten Agilität aus der Private oder Public Cloud beziehen und welche Systeme weiterhin On Premise oder via klassischem Outsourcing genutzt werden. Der gesamte Geschäftsprozess wird auf diese Weise effizienter.

* André Schlüter ist Senior Manager Strategie bei QSC in Köln (Twitterprofil: @SchlAndre)